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Digitalstrategie für gemeinnützige Organisation

Organisationen, die nicht Profit-orientiert sind und stark von ehrenamtlicher Arbeit getragen werden, stehen bei der Frage nach einer Digitalisierungsstrategie vor besonderen Herausforderungen. Das Geld ist knapp, die Arbeitskraft abhängig vom Wissen und von der jeweiligen Lebenssituation der Ehrenamtlichen und daher oft an einzelne Mitglieder gebunden. Wie daraus trotzdem ein nachhaltiger Gewinn für sie und ihre Zielgruppen entstehen kann, zeigt das Beispiel des Forst-Mayer Studien- und Begegnungszentrums in Laufersweiler.


Foto: Auszug aus der digitalisierten Ausstellung "Erwachet aus dem langen Schlafe ..." des Forst-Mayer Studien- und Begegnungszentrums


Bislang war das Forst-Mayer Studien- und Begegnungszentrum in der ehemaligen Synagoge Laufersweiler überwiegend ein Ort der realen Begegnung. Nachfahren von jüdischen Hunsrückern und Hunsrückerinnen aus aller Welt kamen, um zu ihrer Familiengeschichte zu forschen. Geschichtsinteressierte besuchten die Bibliothek, das Archiv oder die Ausstellungen des Dokumentationszentrums. Schülerinnen und Schüler nahmen an Workshops und Lernexkursionen zu Themen wie Ausgrenzung, Flucht, Antisemitismus und Diskriminierung teil.


Die Beschränkungen durch die Corona-Pandemie haben die überwiegend ehrenamtliche Arbeit der gemeinnützigen Bildungs- und Begegnungseinrichtung stark verändert. Um an ihren Zielen und Aktivitäten festhalten zu können, musste eine Digitalisierungsstrategie her. Bei der Entwicklung und Umsetzung hat Medien | Kompetenz | International sie beraten. Das Ziel dieser Beratung war, die Infrastruktur sowie die Kompetenzen im Forst-Mayer-Zentrum so zu stärken, dass der weitere Weg der Digitalisierung auch ohne externe Unterstützung beschritten werden kann. Die Ergebnisse sollten nachhaltig die Arbeit des Studien- und Begegnungszentrums unterstützen.


So ist unter anderem eine digitale Ausstellung zum jüdischen Leben im Hunsrück entstanden. "Erwachet aus dem langen Schlafe ..." zeigt historische Hintergründe über das soziale und wirtschaftliche Leben der Jüdinnen und Juden auf dem Lande. Auf Deutsch und Englisch ist die Ausstellung, die ursprünglich nur im Hunsrück-Museum in Simmern zu sehen sein sollte, nun auch weltweit zugänglich. Auch die seltenen Exponate des Dokumentationszentrum sind in einer deutschlandweiten digitalen Sammlung archiviert. Im "Museum digital" lassen sich Bilder und Beschreibungen zu Gegenständen aus dem jüdischen Alltag im Hunsrück ebenfalls in zwei Sprachen finden.


Die digitale Unterrichtseinheit "Vom Boykott zum Mord" zeichnet das Schicksal jüdischer Hunsrücker am Beispiel des Jungen Heinz Joseph aus Laufersweiler nach. In kurzen Videos, interaktiven Zeitstrahlen und Übungen lernen Schülerinnen und Schüler über die Entrechtung und Verfolgung der Jüdinnen und Juden im Hunsrück von 1933 bis 1945. Die Unterrichtseinheit kann sowohl von Lehrkräften an weiterführenden Schulen als auch in der außerschulischen Bildungsarbeit eingesetzt werden. So trägt sie dazu bei, das umfangreiche Spezialwissen zu erhalten, die Bildungsarbeit auf breite Schultern zu verteilen und neue Zielgruppen anzusprechen.


Die neue digitale Sichtbarkeit hat auch dazu geführt, dass das United States Holocaust Memorial Museum mit dem Forst-Mayer Zentrum kooperiert. Die Bereicherung der Ausstellung "Einige waren Nachbarn. Täterschaft, Mitläufertum und Widerstand" mit regionalen Beispielen war dank der vorangegangenen digitalen Aufarbeitung schnell und kostengünstig möglich. Die Ausstellung wird in der ehemaligen Synagoge und in allen weiterführenden Schulen der Region präsentiert.